
Kronen Zeitung
KLEINE REVOLUTION
Regelhüter planen mehr Macht für Video-Referee!
Die hitzigen Diskussionen über Eingriffe der Video-Schiedsrichter könnten schon bald neue Dimensionen annehmen. Statt einer Beschränkung der Macht der VAR streben die internationalen Fußball-Regelhüter nämlich eine Ausweitung der Befugnisse an. Das kann unter anderem Folgen für die heimische Bundesliga und die WM im Sommer haben. Am Samstag fällt in Wales bei der Sitzung des International Football Association Board (IFAB) eine Entscheidung.
Welche Regel-Neuerungen sind beim Video-Schiedsrichter geplant?
Die wichtigste Neuerung: Jeder Eckball wird künftig auf seine Richtigkeit überprüft. So steht es in dem Regel-Entwurf auf der IFAB-Agenda. Dadurch soll verhindert werden, dass ein falsch zugesprochener Corner zu einem Torerfolg führt. Wichtig ist, dass die Entscheidung in Echtzeit erfolgt, also keine quälend langen Prüfzeiten wie bei anderen Video-Checks entstehen.
Gecheckt und möglicherweise korrigiert werden künftig auch Gelbe Karten, die als zweite Verwarnung zu einer Gelb-Roten Karte und damit einem Ausschluss führen. Keine Überprüfung gibt es für erste Gelbe Karten oder ausgebliebene Gelbe Karten, die zu einer Gelb-Roten Karte geführt hätten, es sei denn, es wurde nachweislich ein falscher Spieler oder das falsche Team bestraft.
Was steht noch auf der Agenda?
Das Spiel soll schneller und attraktiver werden, das hatte auch FIFA-Präsident Gianni Infantino, der qua Amt dem IFAB angehört, so gefordert. Zeitspiel ist der Feind des modernen Fußballs. Die sogenannte Acht-Sekunden-Regel für Tormänner beim Abschlag soll künftig auch bei Torabstößen und Einwürfen gelten, der Schiedsrichter zeigt den Countdown mit den Fingern an. Bei Verstößen gibt es einen Eckball oder Einwurf für das andere Team.
Nur noch zehn Sekunden bleiben künftig bei Auswechslungen. Auf dem Spielfeld behandelte Akteure müssen dann eine noch festzulegende Zeitspanne auf ihre Rückkehr aufs Feld warten. Noch zu klären ist, ob das auch Tormänner betrifft oder ob ein Teamkollege die neue Auszeit absitzen kann.
Kommen die Regeln auf jeden Fall und ab wann gelten sie?
Eine Ablehnung wäre eine Überraschung. In der Regel folgen die IFAB-Mitglieder den Vorschlägen auf der Agenda. Sie wurden schließlich bei den eigenen Vorbereitungstreffen entwickelt. 2024 gab es eine unerwartete Wendung durch die Ablehnung der Blauen Karte, die für 10-Minuten-Zeitstrafen eingeführt werden sollte. Damals legte Infantino kurzfristig noch ein Veto ein.
Frühestens mit 1. Juni treten neue Regeln in Kraft, so sieht es der traditionelle Zeitplan des IFAB vor. Die WM beginnt zehn Tage später, die FIFA wird kaum zögern, die IFAB-Vorgaben umzusetzen.
Warum darf das IFAB über die Regeln entscheiden?
Seit jeher haben die Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland eine Sonderstellung, da der moderne Fußball in Britannien 1863 erstmals ein Regelwerk bekam. Vier Stimmen haben die Verbände noch heute im IFAB, die FIFA als Weltverband hat das gleiche Stimmrecht. Die Institution wird als Regel-Instanz akzeptiert, zumal nach einer Reform auch externe, beratende Meinungen wie von Arsene Wenger oder Luis Figo gehört werden.
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